Literatur-Auswahl und klinische Studien zu Schmerz und Hypnose.
Joseph Barber (1996): "Hypnosis and suggestion in the treatment of pain - a clinical guide"; W. W. Norton & Company; London, New York; 1. Edition.
Gina Bode, Stefan Jacobs, Birgit Kröner-Herwig, Micha Strack (2001): "Hypnotherapeutische Interventionen im Rahmen eines verhaltentherapeutischen Kurzprogramms zur Behandlung chronischer Schmerzen."; in: "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin"; 2001, Nummer 22; Seite: 199 bis 217.
M. Catherine Bushnell, Gary H. Duncan, Robert K. Hofbauer, Tomáš Paus, Donald D. Price, Pierre Rainville (1999): "Cerebral Mechanisms of Hypnotic Induction and Suggestion"; Journal of Cognitive Neuroscience; 1999, 11; Page: 110 to 125.
[Ein interdisziplinäres Forscher-Team dreier Universitäten (Université de Montréal, McGill University, University of Florida) hat in dieser klinischen Studie neuronale Felder untersucht, die während der Induktion von Hypnose stimuliert werden. Im Rahmen dieser klinischen Studie wurden mittels PET, RCBF (regional Cerebral Blood Flow) und EEG auch die Effekte von Hypnose und Suggestionen auf Schmerzwahrnehmung untersucht. Verglichen wurde die Wirkung zweier verschiedener Hypnose-Induktionen. Einmal wurde nur Entspannung suggeriert und einmal Entspannung plus Suggestionen zur veränderten Schmerzwahrnehmung. Als Wahrnehmungsreiz wurde während den Messvorgängen die linke Hand in neutrales Wasser (35 °C) oder in empfindlich heisses Wasser (47 °C) getaucht. Der Hypnose-Effekt wurde begleitet durch einen deutlichen Anstieg sowohl im Occipital-RCBF wie auch in der delta EEG Aktivität. Die Messungen zeigen, dass beide Anstiege deutlich miteinander korrelieren (r = 0.70, p < 0.0001). Ergebnisse dieser Studie stützen die sogenannten "State-Theorien" der Hypnose: Die Occipital-Anstiege im RCBF und der delta Aktivität deuten auf Bewusstseins-Änderungen, die mit Arousal-Reduktion und Erleichterung der visuellen Bildvorstellung verbunden sind. Frontal-Anstiege im RCBF waren mit Suggestionen zur veränderten Wahrnehmung verbunden und markieren eine Verbindung zwischen:
1. verbaler Mediation der Suggestionen
2. Arbeitsgedächnis
3. top-down Prozessen in der Reinterpretation von Wahrnehmungs-Ereignissen.
Ergebnisse dieser klinischen Studie zu Hypnose und Schmerz sind sowohl für Grundlagenforschung wie auch Anwendungsforschung bedeutend. Sie weisen auf ein neues neurobiologisches Verständnis der Wirkweise von Hypnose hin und identifizieren spezifische Muster von Cerebral-Aktivität, die mit einer speziellen Form von hypnotischen Zustand und einer speziellen Art der Verarbeitung bestimmter hypnotischer Suggestionen einhergehen.]
Dennis K. Chong (1979): "Autohypnotic pain control - the Milton Model - as applied in a case of cholecystectomy for cholelithiasis in 1978"; Carlton Press; New York; 1. Edition.
[Chong berichtet über den Einsatz von Hypnose als einzigem Anesthetikum bei einer Cholecystectomie bei Cholelithiasis (Gallenblasen-Entfernung) im Jahre 1978. In einem Interview mit dem Autor berichtet der kanadische Zahnarzt Dr. Victor Rausch über seine Erlebnisse als Patient.]
Ralph I. Brooke, Frances Cosier, Patricia A. McGrath, Hendrikus J. Stam (1986): "Hypnotizability and the treatment of chronic facial pain"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXXIV; July 1986; Number 3; Page: 182 to 191.
Giuseppe DeBenedittis, Alberto A. Panerai, Marco A. Villamira (1989): "Effects of hypnotic analgesia and hypnotizability on experimental ischemic pain"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXXVII; January 1989; Number 1; Page: 55 to 69.
S. W. G. Derbyshire, M. G. Whalley, V. A. Stenger, D. A. Oakley (2004): "Cerebral activation during hypnotically induced and imagined pain"; NeuroImage, 23; Page: 392 to 401.
[Diese Studie gehört zu den wenigen, bei denen mittels Reverse-Engineering Hypnose zum experimentellen Erzeugen von Schmerz eingesetzt wurde.]
B. B. Domange, H. Kaji, D. Lieberman, C. G. Margolis (1985): "Biochemical correlates of hypnoanalgesia in arthritic pain patients"; Journal of Clinical Psychiatry; 46; Page: 235 to 238.
Karen D. Dunbar, Wilfried G. van Gorp, Robert G. Meyer (1985): "The efficacy of direct versus indirect hypnotic induction techniques on reduction of experimental pain"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXXIII; October 1985; Number 4; Page: 319 to 328.
Richard van Dyck, Corry G. Linssen, Philip Spinhoven, Frans G. Zitman (1991): "Autogenic training and future oriented hypnotic imagery in the treatment of tension hedache: Outcome and process"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXXIX; January 1991; Number 1; Page: 6 to 23.
[Schmerz und Depressionen hängen oft zusammen. Hauptthema dieser Studie ist Migräne und Hypnose bzw. Spannungskopfschmerzen und Hypnose. Untersucht wurde die Wirkung von Hypnose auf Schmerzmedikamenten-Menge, Depressionen und Angst.]
N. I. Eisenberger, M. D. Lieberman, K. D. Williams (2003): "Does rejection hurt? An fMRI study of social exclusion"; Science, 302; Page: 290 to 292.
[Basierend auf Messdaten bildgebender Verfahren zeigt diese Studie auf, dass psychischer Schmerz und physischer Schmerz zu wesentlichen Teilen über gleiche hirnanatomische Strukturen verarbeitet werden.]
N. I. Eisenberger, M. D. Lieberman (2005): "Broken hearts and broken bones: The neurocognitive overlap between social pain and physical pain"; in: K. D. Williams, J. P. Forgas, W. von Hippel (2005): "The Social Outcast: Ostracism, Social Exclusion Rejection, and Bullying"; New York; Cambridge University Press; Page: 109 to 127.
N. I. Eisenberger, J. M. Jarcho, M. D. Lieberman, B. D. Naliboff (2006): "An experimental study of shared sensitivity to physical pain and social rejection"; Pain, 126; Page: 132 to 138.
James Esdaile (1850): "Mesmerism in India, and its practical application in surgery and medicine"; Silas Andrus and son; Hartford; 1. Edition.
[Das Buch von Esdail nimmt in der Geschichte der Hypnose eine bedeutende Stellung ein. Es ist eines der ersten Werke in dem die Wirkung von Suggestion auf chirurgische Operationen untersucht wird. Esdaile beschreibt in seinem Werk die genaue Vorgehensweise mit der er die schmerzbefreienenden Wirkungen erzeugte. Der Originaltext ist bei hypnose.in auf CD-ROM erhältlich.]
Dabney M. Ewin (1986): "Hypnosis and pain management"; in: Daniel L. Araoz, M. Gerald Edelstien, Bernie Zilbergeld: "Hypnosis: Questions and answers (Section VII. Applications)"; W. W. Norton & Company; London, New York; 1. Edition; Page: 282 to 288.
Miguel Farias, Guy Kahane, Nicholas Shackel, Wiebke Tiede, Irene Tracey, Katja Wiech (2008): "An fMRI study measuring analgesia enhanced by religion as a belief system"; Oxford Centre for Functional Magnetic Resonance Imaging of the Brain (FMRIB Centre), Department of Clinical Neurology, University of Oxford, John Radcliffe Hospital; Pain (Corrected Proof, 09. September 2008).
[Religion ist schon oft in Verbindung gebracht worden mit der Fähigkeit Schmerz psychologisch zu bewältigen. Geradezu berühmt sind Fotos indischer, philippinischer und thäiländischer Personen, die sich anlässlicher religiöser Feste wie z. B. dem Phuket Vegetarian Festival mit Spiessen durchbohren oder auf den Philippinen sogar kreuzigen lassen. Während die Motive für solche Handlungen relativ leicht in Worten dargestellt werden können, waren die neurobiologischen Hintergründe bisher unbekannt. Das multidisziplinäre Team um Katja Wiech legte nun Forschungs-Ergebnisse vor, die auch für normale Schmerzpatienten Bedeutung haben: Die an der Oxford University durchgeführte Studie untersuchte die Wirkung von Religion auf Schmerzwahrnehmung und bestätigt den Zusammenhang einer Region im Frontallappen der Grosshirnrinde (dem rechten ventrolateralen präfrontalen Cortex) auf die schmerzlindernde Wirkung durch religiöse Stimulation.
Die Studienteilnehmer bestanden aus drei Gruppen (n/Gruppe = 12): Gruppe 1: Bekennende und praktizierende Katholiken. Gruppe 2: Bekennende Atheisten. Gruppe 3: Bekennende Agnostiker.
Experimental-Setting: Die Schmerz-Reize wurden durch elektrische Impulse erzeugt. Die Stimulation der entsprechenden Hirnregion erfolgte visuell durch Bilder. Dabei verwendete man ein Marien-Bild und ein ästhetisch ähnliches Bild (gemalt von Leonardo da Vinci), jedoch ohne religiöse Bedeutung. Die Teilnehmer wurden befragt, welches Bild ihnen besser gefällt und wie stark sie die Schmerzen durch die Reizung empfanden. Gruppe 1 favorisierte das religiöse Bild und erlebte bei dessen Betrachtung deutlich schmerzlindernde Effekte. Gruppen 2 und 3 favorisierten das nicht-religiöse Bild und hatten Schmerzen, wie die Kontrollgruppe ohne Bild. Mittels funktioneller Kernspintomographie (functional magnetic resonance imaging, fMRI), wurde bei Gruppe 1 starke Aktivität im rechten ventrolateralen präfrontalen Cortex (right ventrolateral prefrontal cortex, VLPFC) nachgewiesen, wenn sie das religiöse Bild betrachteten. Gruppe 2 und 3 hatten in dieser Region keine Aktivität.
Gruppe 1 beschrieb den Schmerzreiz bei Betrachtung des als bedeutungsvoll erlebten Bildes wiederum als deutlich gelindert, während das neutrale Bild keine Wirkung auf das Schmerzempfinden hatte. Gruppe 2 und 3 berichteten von Schmerzen, die bei Betrachtung beider Bilder gleich war.
Aktivierung des rechten ventrolateralen präfrontalen Cortex spielt auch beim psychotherapeutischen Techniken wie "Reframing" eine Rolle, wenn es darum geht einer schlechten Erfahrung konstruktive Bedeutung zu geben.
Aus hypnotherapeutischer Sicht wäre es interessant die Studie - die sich, in der Form wie sie vorliegt, auf visuelle Stimulation religiös-spiritueller Glaubenssysteme bezieht - zu ergänzen mit Bildern von Personen (geliebten Partnern, Familienangehörigen, Kindern, ...) die emotionale Bedeutung für die Studienteilnehmer haben. In der Praxis des hypnotherapeutischen Alltags taucht die Frage auf, welche Effektstärken hier erzielt werden können (und zwar auch dann, wenn man in visuell-gewichteten CCP-States die Bilder "nur" vorstellt). Ein diesbezüglicher Nachweis mit fMRI steht zur Zeit (Oktober 2008) noch offen. Der Experimentalaufbau und das Studiendesign der Gruppe um Wiech ist gut und prädestiniert dafür weiter ausgebaut zu werden. Es wird weiterhin interessant sein die Effektstärken der vorgestellten Bilder von "Hypnose-erfahrenen" und "Hypnose-unerfahrenen" Personen zu vergleichen. Vor allem weil man dann wesentlich mehr gewonnen hätte als nur einen Zusammenhang von Schmerzbefreiung und Religion: Man hätte eine Messgrösse für eine allgemeine semantische Reaktion (die würde unabhängig von Glaubens-Anschauungen und Religion auch für Atheisten und Agnostiker anwendbar sein). Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass sich im Spektrum der Techniken zur Schmerzbehandlung mit Hypnose und CCP auch solche finden, die ohne Bilder (seien sie real oder vorgestellt) schmerzlindernde Effekte bis zur Anästhesie erzielen.]
E. L. Foltz, L. E. J. White (1962): "Pain relief by frontal cingulotomy"; Neurosurgery 1962; 19; Page: 89 to 100.
Avram P. Goldstein, Ernest R. Hilgard (1975): "Failure of the opiate antagonist naloxone to modify hypnotic analgesia"; Proceedings of the National Academy of Science USA; 72; Pages: 2041 to 2043.
[Die Studie von Goldstein und Hilgard zeigte erstmals, dass die mit Hypnose erzielte Schmerzbefreiung unabhängig vom Opiat-System funktioniert. Dieses Ergebnis wurde durch drei Folgestudien anderer Forscher belegt und führte mit zur Bestätigung der durch Ronald Melzack (einem kanadischen Psychologen) and Patrick David Wall (einem britischen Arzt) 1962 und 1965 beschriebenen "Gate Control Theory of Pain".]
Barry B. Hart (1991): "Hypnosis and pain"; in: Windy Dryden, Michael Heap (1991): "Hypnotherapy: A handbook"; Open university press; Ballmoor, Buckingham, GB; Bristol, Philadelphia, USA; Page: 87 to 107.
Josephine R. Hilgard, Samuel LeBaron (1982): "Relief of anxiety and pain in children and adolescents with cancer: Quantitative measures and clinical observations"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXX; October 1982; Number 4; Page: 417 to 442.
Sean F. Kelly (1980): "Hypnotizability and the inadvertent experience of pain: A brief communication"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXVIII; July 1980; Number 3; Page: 189 to 191.
Ronald Melzack, Patrick David Wall (1962): "On nature of cutaneous sensory mechanisms"; Brain, 85:331.
[In dieser Veröffentlichung wurde erstmald die Grundlage der sogenannten "Gate Control Theory of Pain" dargestellt. Die Gate Control Theory of Pain basiert auf der Vorstellung, dass die Wahrnehmung von körperlichem Schmerz nicht direkt Folge einer Aktivierung der Nozizeption ist, sondern in einem Zusammenspiel verschiedener Neuronen entsteht und zwar von sowohl Schmerzreiz-übermittelnden und nicht-Schmerzreiz-übermittelnden Neuronen. Die Gate Control Theprie beschreibt ausserdem, wie Aktivierung von nicht-Schmerzreiz-übermittelnden Neuronen Einfluss haben kann auf Signale, die durch Schmerzreiz-übermittelnde Neuronen geleitet werden. Dieser Einfluss kann so weit gehen, dass eine Person garkeinen Schmerz mehr wahrnimmt.]
Ronald Melzack, Patrick David Wall (1965): "Pain mechanisms: A new theory"; Science, 150:171-9.
Wolfgang H. R. Miltner (2000): "Schmerzfrei unter Hypnose - Bericht zu einer Untersuchung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena"; 17.07.2000.
G. H. Montgomery, K. N. DuHamel, W. H. Redd (2000): "A meta-analysis of hypnotically induced analgesia: How effective is hypnosis?"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; 48; Page: 138 to 152.
Mary-Frances O'Connor, Carolyn Fort, Harald Gundel, Richard D. Lane, Lindsey Littrell (2003): "Functional neuroanatomy of grief: An FMRI study."; The American Journal of Psychiatry. 160(11), 2003 November; Page: 1946 to 53.
D. A. Oakley, P. W. Halligan (2002): "Hypnotic mirrors and phantom pain: A single case study."; Contemporary Hypnosis, 19; Page: 75 to 84.
D. A. Oakley, L. Gracey-Whitman, P. W. Halligan (2002): "Hypnotic imagery as a treatment for phantom limb pain: Two case reports and a review." Clinical Rehabilitation, 16; Page: 368 to 377.
David Spiegel (1982 a): "Clinical demonstrations: Pain Control"; Audio Tape; BMA Audio Cassettes, Guilford Publications; New York; 1. Edition.
Tomas Svoboda (1986): "Schmerzen psychologisch überwinden"; Schönbergers-Verlag; München.