Konzepte von Reinkarnation und Wiedergeburt sind weltweit verbreitet. Während in westlichen Ländern der Gedanke überwiegend als Reinkarnations-"Therapie" gepflegt wird, ist Reinkarnation in östlichen Ländern mehr mit einer Lebenseinstellung verknüpft, z. B. mit dem Karma-Konzept.
Mit Hypnose an vergangene Leben erinnern?
Immer wieder taucht die Frage auf: "Kann man sich mit Hypnose an vergangene Leben erinnern?"
Die kurze Antwort auf diese Frage ist: Alle Erfahrungen, die ein Mensch jemals gemacht hat sind gespeichert. Es gibt Methoden diese Erinnerungen zugänglich machen und wieder ins Bewusstsein bringen. Hypnose ist eine dieser Methoden. In den östlichen Kulturkreisen, wo der Reinkarnations-Gedanke ursprünglich herkommt, werden Methoden gepflegt, die nicht als Hypnose bezeichnet werden.
Rückführungen
Für Rückführungen verwendete man früher das Wort "Regression"; für Rückführungen in vergangene Leben den Begriff "Regressions-Hypnose" beziehungsweise "Past Life Regression".
Heutzutage verwendet man den Begriff "Regression" kaum noch, da er im medizinisch-therapeutischen Bereich pathologisch besetzt ist.
Der im CCP® übliche Begriff "Past Life Framing" (PLF) ist neutraler und inhaltlich treffender.
Vorannahmen
Für das Past Life Framing mit CCP® gibt es drei Vorannahmen:
- Es gibt belebende Faktoren die im materiellen Körper, ähnlich wie in einem Gefäss, beinhaltet (inkarniert) sind.
- Diese belebenden Faktoren sind "umsiedlungsfähiges Substrat", sie überdauern den materiellen Körper und sind somit der eigentliche "Identitätskern".
- Durch bestimmte Umstände kann man sich an frühere Inkarnationen erinnern.
All diese Vergleiche sind Vergleiche für den Anfang. Sie dienen der Komplexitäts-Reduktion. Das Gute daran: Man muss diese Vorannahmen nicht glauben. Erinnerung und Vergessen funktionieren auch, ohne dass man an irgendetwas glaubt.
Ist die Erinnerung eine historische Realität?
Ob die ins Bewusstsein geholten Erinnerungen einer historischen oder biographischen Realität entsprechen wird viel und teilweise sehr leidenschaftlich diskutiert.
Sicher ist, dass durch Hypnose, Hypnotherapie und CCP ein Set an Begriffen und Methoden zur Verfügung steht, mit dem Erinnerungs-Phänomene zugänglich gemacht, beschrieben und hinterfragt werden können.
Wer sich die Frage nach der historischen Realität stellt, wird unweigerlich konfrontiert mit einem einem Dilemma:
Erstens: Man muss zur Erinnerung passende historische Belege finden. Fehlen diese, wird ein Skeptiker dies als Beweis für die Unmöglichkeit von Reinkarnation ansehen.
Zweitens: Man findet historische Belege, Tatsachen, Fakten die mit der durch Reinkarnations-Hypnose, bzw. den bei der Durchführung der Reinkarnations-Sitzung gewonnenen Informationen übereinstimmen. Ein Skeptiker wird nun sagen, man hätte die Fakten irgendwann oder irgendwo aufgeschnappt und sich in Hypnose eben daran erinnert.
In diesem Zusammenhang ist das Phänomen der "Quellenmissdeutung" (Source Misattribution) bedeutsam. Es ist höchst wichtig die Qualität einer Erinnerung (inbesondere deren Herkunft) kritisch hinterfragen zu können. Quellenmissdeutung ist wissenschaftlich sehr gut untersucht und spielt auch im Bereich der forensischen Psychologie eine Rolle.
Wie echt ist die Erinnerung?
Bei Vorträgen und in Einzelgesprächen wird immer wieder die Frage gestellt: "Wie echt wird denn die Erinnerung an das vergangene Leben sein?". Auch darauf gibt es eine ganz eindeutige Antwort: "Die Erinnerung wird so echt und real sein, wie all Ihre anderen Erinnerungen auch; z. B. die Erinnerung an Ihren Urlaub im vorigen Jahr."
Das Erlebnis der Reinkarnations-Hypnose kann unter bestimmten Umständen die Grenze bloss informeller Erinnerung übersteigen - das Erleben ist dann so, als wäre man in der erinnerten Begebenheit mitten drin. Die Erinnerung wird zur Gegenwart, als würde es gerade jetzt geschehen. Je intensiver das Erlebnis, desto ratsamer ist die Begleitung durch einen erfahrenen Reinkarnations-Therapeuten.
Der Reinkarnations-Therapeut kann den Erfordernissen der Situation entsprechend interagieren, die Intensitätsgrade abstufen und therapeutisch nutzen. In diesem Sinn führen die meisten Hypnose-CDs zum Thema Rückführung lediglich in leichte hypnotische Zustände und begnügen sich mit Formen dissoziierter Erinnerung. Dissoziiert bedeutet: Man nimmt das Erlebnis aus einer distanzierten Perspektive wahr; ähnlich wie Zuschauer einen Film im Kino. Zudem ist das Erlebnis oft hauptsächlich auf Sachinformationen der Wahrnehmungskanäle Hören und Sehen bezogen, weniger auf die gefühlsmässige Bedeutung und sonstigen Körperreaktionen. Genau wie in einem Kinofilm kann man vom Erlebnis auch in so einer dissoziierten Perspektive sehr berührt sein.
Ist es eine "richtige" oder "falsche" Erinnerung?
Zur Einschätzung der mit Reinkarnations-Hypnose gewonnenen Erinnerungen braucht man mehr als eine Liste mit Kennzeichen "richtiger" und "falscher" Erinnerungen. Für die verantwortungsvolle Durchführung ist tieferes Verständnis von Suggestions-Dynamik und intrapsychischen Phänomenen erforderlich. Wichtig sind insbesondere die verschiedenen Arten von "Amnesie" und "Hypermnesie". Des weiteren spielen "Konfabulation", "Kryptomnesie", "assoziative Überlagerungen", "Projektion", "Übertragungs-Phänomene" eine Rolle. Auch bestimmte Arten von "Halluzinationen", "Illusionen", "Intrusionen" sollten berücksichtigt werden - um nur einiges zu nennen.
Qualität der Erinnerung
Hypnose und Reinkarnation passen sehr gut zusammen. Das liegt daran, dass durch vorangegangene Forschungen, Untersuchungen und klinische Studien zur Hypnose und Hypnotherapie ein präzises Set an Begriffen zur Verfügung steht, durch das sich sowohl die "Rückführungstechniken" wie auch die Qualitäten der Erinnerung genau beschreiben lässt.
Hypnose und Wiedergeburt und Bridey Murphy
Über den Wahrheitsgehalt der durch Hypnose gewonnen Informationen wurden viele Spekulationen angestellt. Der berühmteste Fall ist der von Bridey Murphy:
Am 12. 19. und 26. September 1954 druckt das amerikanische "Empire Magazine" die Erlebnis-Berichte von Bridey Murphy und entzündet damit (erstmals im westlichen Kulturkreis) erhebliches öffentliches Interesse am Thema "Reinkarnation mit Hypnose". 1956 erschienen die Vorkommnisse zusammengefasst in einem Buch. Titel: "The search for Bridey Murphy". Das Buch war ein internationaler Bestseller und erlebte zahlreiche Auflagen. Die erste deutsche Auflage erschein 1957 mit dem Titel: "Der Fall Bridey Murphy. Dokument einer Wiedergeburt." Spätere Auflagen führten als Untertitel "Protokoll einer Wiedergeburt". 1966 wurde das Buch sogar verfilmt.
Worum ging es im Fall Bridey Murphy? Warum erregte Bridey Murphy soviel Aufmerksamkeit?
Der amerikanische Geschäftsmann Morey Bernstein betrieb Hypnose als Hobby. In Folge seiner Beschäftigung versetzte er eine Bekannte - die Hausfrau Virginia Tighe (1923 bis 1995) - mit Hypnose in Trance.
In Hypnose erinnerte sich Mrs. Tighe mit sehr hoher Detaildichte an historische Begebenheiten. Es wurden mehrere Hypnose-Sitzungen durchgeführt und dabei kamen immer mehr in sich schlüssige Erinnerungen zu Tage. Die Frage war schliesslich: Gab es eine Person namens Bridey Murphy wirklich? Man bemühte sich darum die Erinnerungen mit historischen Fakten nachzuprüfen.
Durchführung einer Reinkarnations-Hypnose
Für manche Personen ist es das oberste Ziel zu wissen, dass die in der der Hypnose gewonnenen Reinkarnations-Erinnerungen historischen Fakten entsprechen. Dasist sicher interessant. Doch nur dieses eine Ziel verengt die Sicht auf das Thema erheblich: Was vergangen ist, kann man nicht ändern. Doch wer Ursachen erkennt, kann Veränderungen bewirken. Mindestens ebenso interessant sind daher die Folgen der Reinkarnations-Erfahrung auf das gegenwärtige Leben. Reinkarnations-Therapie macht Ursachen bewusst und lässt eine Wirkungskette erkennen. Gleichzeitig bieten sich Möglichkeiten vergessene Fähigkeiten zu aktivieren und ihnen einen integrativen Platz zu geben. Selbstwahrnehmung, therapeutische Lernerfahrungen, biographische Perspektivenwechsel, Tief-Trance-Identifikation (DTI), ... können weitere interessante Zielsetzungen einer Reinkarnations-Hypnose sein.
Reinkarnations-Therapie
Das Konzept der Wiedergeburt kann sehr gut zu therapeutischen Zwecken genutzt werden. Reinkarnations-Therapie hat unter therapeutischen Konzepten eine einzigartige Stellung: Sie rückt gewisse Selbstmythen zurecht und ermöglicht dem Klienten sich selbst und sein Thema in einem alternativen biographischen Konzept (z. B. Opfer- und Täter-, Entwicklungs-Perspektiven ...) wahrzunehmen. Man erlebt sich selbst in neuer Weise und erweitert so das aktuelle Selbstverständnis seines Daseins.
Der Dalai Lama über Reinkarnation und Wiedergeburt
Nachdem bereits einige Ziele und Motivationen für Reinkarnations-Hypnose aufgezeigt wurden, bleibt noch die Frage nach dem Sinn: Was ist der Sinn von Reinkarnation? Einer, der es wissen könnte, ist die 14. Reinkarnation des Dalai Lama.
Im Frühling 2008 gab es in seinem ehemaligen Wohnort - der tibetischen Hauptstadt Lhasa - schwere Unruhen mit dem chinesischen Militär. Tibet wollte u. a. Religions- und Pressefreiheit. Es gab viele Tote und eine propagandistische Medienschlacht. In diesem Kontext sagte der 14. Dalai Lama (im Alter von 72 Jahren) in einem Interview über das Ziel seiner Reinkarnation:
"Das Ziel der Reinkarnation ist es, das unvollendete Werk des früheren Lebens fortzuführen. Wenn die Situation in Tibet so bleibt, wie sie ist, dann ist es logisch, dass ich im Exil [also ausserhalb Tibets] wiedergeboren werde, um meine Aufgabe fortzusetzen." (Dhondrub, 2008, S. 53)
Die Politik der Wiedergeburt
Ähnliche Äusserungen des Dalai Lama gab es schon früher. Darauf hatte die chinesische Regierung den Tibetern kurzerhand per Gesetz das Reinkarnieren (bzw. den Reinkarnationsglauben) verboten: Der sogenannte "Reincarnation ban" trat bereits am 1. September 2007 in Kraft und erklärt es in einer 14-seitigen Schrift u. a. für illegal Neugeborene ohne Zustimmung der chinesischen Behörden als Reinkarnation des Dalai Lama zu identifizieren. Der 14. Dalai Lama lebt mittlerweile im Exil in Dharamsala, Indien.
Erfahrung mit Reinkarnation und Hypnose
Reinkarnation ist ein vielseitiges Thema. Darüber lässt sich so viel sagen und schreiben, dass ein Leben eigentlich garnicht genug ist. Wenn Sie den Artikel ergänzen oder Ihre Erfahrung mit Hypnose und Reinkarnation hier mitteilen möchten: Hier ist die Gelegenheit dazu.
Quellen
Der Beitrag basiert auf einem gekürzten Exzerpt aus meinem mit Lek Sirichuenvijit verfassten Buch (2010): "Hypnose erleben, verstehen und anwenden. Die Geschichte der Hypnose. Band 2. Die Quelltexte."; www.hypnose.in; Berlin; 2. Auflage; Seite: 182. ISBN 978-3-941349-09-4