"Bring die Suggestion da hin, wo sie ihre Wirkung am besten entfalten kann." Das ist die erste Maxime zur psychologischen Schmerzbefreiung mit CCP®: Zur besten Wirksamkeit werden die Suggestionen gezielt an die Stellen der höchsten Wirksamkeit adressiert. Früher konnte man nur durch Rückmeldung vom Klienten feststellen wie bestimmte Suggestions-Formate wirken. Dann kamen EEGs, die allerdings noch ziemlich ungenau waren. Heutzutage gibt es bildgebende Verfahren mit denen man die Effektivität von Suggestionen an der Aktivierung bestimmter Hirn-Regionen präzise sichtbar machen kann. Einfach gesprochen: Man sieht, ob die Suggestion "angekommen" ist. Rapport und Feedback vom Klienten bleiben natürlich weiterhin wichtig und können trotz modernster Technik durch nichts ersetzt werden. Dennoch sind die neuen Forschungen wichtig: Sie erlauben Interventions-Formate feiner abzustimmen und sie helfen aus dem breiten Spektrum möglicher Interventionen das Richtige zu wählen. Als Ergebnis können die angestrebten Effektstärken wesentlich schneller realisiert werden.
Bei der Schmerz-Befreiung mit Hypnose und CCP® werden u. a. folgende Bereiche einbezogen:
Peripherie (a-delta und c-Fasern)
Wirbelsäule (a-delta und c-Fasern). Neurophysiologisch unterscheidet man zwei Arten von Schmerzfasern: "Fast Pain Fibers" und "Slow Pain Fibers". Akuter Schmerz erfordert andere Massnahmen als chronischer Schmerz.
Dorsalfortsatz: Die Bedeutung des Dorsalfortsatzes für die Schmerztherapie wurde wesentlich durch Melzack und Wall (1983) erforscht. Die Ergebnisse von Melzack und Wall sind auch als "Gate Control Theory of Pain" bekannt geworden. Als "Gate" bezeichnen Melzack und Wall das "Tor" am Hinterhorn des Rückenmarks für die aus der Peripherie einlaufenden "Schmerzreize" (Afferenz). Dieses Tor kann man mit Suggestionen und CCP®-Formaten - also mittels efferenter Stimulation - öffnen oder schliessen. Mit der Bandbreite der Information wird die Intensität der Schmerzwahrnehmung entsprechend reguliert. Die Gate-Control-Theorie wird von Melzack und Wall nicht nur als Metapher verstanden. Das "Gate" ist lediglich die einfachste Erklärung für einen tatsächlich höchst komplexen Mechanismus. Praktisch taucht die "Gate-Matapher" nur implizit auf, bei Schmerzen durch Okzipitalneuralgie wäre sie sogar kontraindiziert. Was man bei Hypnose und CCP nutzt, ist das Priorisierungs-System, mit dem gleich wie mit einem Preselection-Filter bestimmt wird, was durch das Gate durch kann. Der Mechanismus findet somit im "Vorbewussten" statt.
Thalamus: Im Thalamus wurde einer der Hauptwirkungsorte lokalisiert, an dem sich zeigen lässt, warum Entspannung und Harmonisierung der allg. Tonizität Schmerzpatienten gut tun. Bedeutung hat das z. B. bei Spannungs-Kopfschmerzen und im Sport-Coaching (insb. bei Repetitive Strain Injuries). Harmonisierung des cerebroglobalen Arousals kann bestimmte Wahrnehmungen bestimmter Arten von Schmerz-Reizen in wünschenswerter Weise lindern.
Insula: Eine wichtige Regulierungs-Instanz, die Informationen direkt aus dem Thalamus enthält und permanent (gefragt und ungefragt) Rückmeldung gibt, ob es dem Körper gut geht. Beim CCP wird dieser Teil angesprochen durch Synesthesie-Interfaces, Parts-Therapy und SPC. Besonderen Stellenwert erhält die Insula bei Schmerzbefreiung durch traumatische Extrembelastung: Unter bestimmten Umständen werden selbst stärkste Verletzungen zeitweise nicht wahrgenommen (z. B. Schwerstverletzungen bei Soldaten). Untersuchungen zufolge, die an unserem Institut bei hypnose.in durchgeführt wurden, zeigen dass hier ein Erklärungsmechanismus ist, mit dem u. a. die von James Esdaile schon im Jahr 1848 berichteten Effekte erklärt und optimiert werden können (siehe kostenfreier Download). Dieser Insula-Effekt ist einer der schnellsten, stärkste und überzeugendste Schmerzbefreiungs-Effekt, der ohne Medikamente erzielt werden kann.
Vorderer Cingulärer Cortex (Anterior Cingulate Cortex, ACC): Diese Region ist ebenfalls direkt mit dem Thalamus vernetzt und steuert die emotionale Komponente des Schmerzerlebens. Der ACC spielt eine wichtige Rolle für die Regulierung starker Gefühle - auch Angst und Panik. Hier sei nochmals auf die sehr wichtige und die in Ihrer Bedeutung oft unterschätzte Studie von Eisenberger, Lieberman, Williams (2003) hingewiesen. Mit den Ergebnissen dieser Studie kann man viel Gutes bewirken; auch in anderen Bereichen als Schmerzbefreiung mit Hypnose und CCP. So lässt die ACC-Aktivität beispielsweise Rückschlüsse zu, wie gut jemand auf Antidepressiva reagiert. Hohe ACC-Aktivität verbessert den Behandlungserfolg von Psychopharmaka; bisher (2009) wurde dieser Effekt zwischen ACC-Aktivität und Arzneimittelwirkung nur bei Angstpatienten untersucht, die mit einem speziellen Antidepressivum behandelt wurden.
Amygdala: Auch die neuronale Aktivität in der Amygdala lässt sich durch Erwartung, Vorstellungen und Gefühle stimulieren. Das spielt zum Beispiel bei der psychologischen Operationsvorbereitung eine Rolle. Mittels Hypnose werden zieldienliche Suggestionen angeboten - und zwar vor dem Schmerzereignis. Bei erwarteten Angst-Situationen kann die Amydala auffällig sensibel und hyperaktiv reagieren. Dabei ist die ängstliche Erwartung einer Situation oft belastender als die Situation an sich. Eine Person, die einen bestimmten Reiz mit bestimmten Gefühlen erwartet, nimmt die Intensität dieses Reizes mit ganz anderer Sensibilität wahr, als jemand der dem Reiz neutral gegenübersteht. Wer sorgenvoll ein bestimmten Ereignis erwartet erlebt natürlich, dass diese Gedanken auswirkungen haben auf die Gefühle, auf die gesamte Lebensqualität. Dieser Mechanismus ist schon länger bekannt, konnte aber erst im Dezember 2008 sichtbar gemacht werden: Im "American Journal of Psychiatry" publizierten Wissenschaftler um Jack Nitschke eine Studie, während der Personen Bilder gezeigt wurden und noch bevor die Person das Bild zu sehen bekam wurde mitgeteilt, ob es ein angenehmes, ein unangenehmes oder ein neutrales Bild ist. Gleichzeitig wurde im MRT die Zerebral-Aktivität beobachtet. Gesunde Menschen und Menschen mit Angststörung reagierten während des Betrachtens der Bilder nur geringfügig anders. Ein wesentlicher Unterschied allerdings ergab sich zum Zeitpunkt der Vorankündigung. Personen mit generalisierter Erwartungsangst zeigten deutlich erhöhte Amygdala-Aktivität, sogar wenn neutrale Bilder angekündigt wurden.
Primärer und sekundärer Somato-Sensorischer Cortex (S1 und S2): Hier entsteht das Körperschema und zum Teil die Koordinatenzuordnung, wo im Körper der Schmerzreiz sitzt. Dieser Bereich wird in die CCP-Behandlung über Ressourcenaktivierung und Symptomverschiebungen einbezogen. (Unsere Studien zeigten, dass dies auch im Prodromal-Stadium bei Migräne-Kopfschmerzen wirksam ist.)
Prä-Frontaler Cortex: Dieser Teil ist u. a. für Arbeitsgedächtnis und Bedeutungszuteilung verantwortlich und sollte bei jeder hypnotherapeutischen Behandlung mit berücksichtigt werden, z. B. durch Suggestions-Techniken wie Reframing, MLC-Assoziationsnetze und Regulierung der Menge zu verarbeitender Informations-Einheiten (Units). Bei Formaten, die auf den prä-frontalen Cortex zielen konnten wir bei akuten Schmerzreizen die höchsten Effektivitäts-Raten messen: Schmerzwahrnehmung konvergiert kontrollgruppengetestet gegen 0. Das bedeutet eine höchst-selektive, fast 100%-ige Schmerzbefreiung. (Historisch ist das interessant, wenn man die PFC-Wirkungen mit der hypnotischen Schmerzbehandlungen von Coué und {ln:virtuemart:34 'Esdaile} vergleicht.)
Corticale Vernetzung: Dieser Bereich wird mit speziellen Formaten über dissoziative Dynamiken angesprochen. Die Effektivität dieser Formate bietet einen Ansatzpunkt zu verstehen, warum vor allem bei chronischem Schmerz Processing-Arbeit mit Symbolen, Metaphern und Teile-Konzepten gute Wirkungen erzielen.
Diese Aufzählung ist nicht vollständig, sondern bietet einen ersten kurzen Blick darauf wie Hypnose und CCP® in der Schmerzbehandlung wirksam sind. Praktisch sind es immer mehrere psychologische Phänomene, die sich vorteilhaft auf Schmerzbefreiung anwenden lassen. Letzlich ist die Frage nach psychologischer Schmerzbefreiung immer die Frage: "Wie konstruiert man Realität?" die Antwort ist immer individuell, denn natürlich sind auch Klienten-Persönlichkeit, Gedächtnis-Strukturen, Zeit-Strukturierung usw. bedeutende Komponenten der Schmerzbefreiung mit Hypnose und CCP®.
Zwischen CCP®-Anwendung und medikamentöser Schmerzbehandlung sind viele Unterschiede. Einer davon ist, dass man mit CCP® Schmerzen so selektiv beseitigen kann, dass die übrigen Empfindungen - z. B. Empfindungen wie Druck oder Temperatur ... - erhalten bleiben. Diesen hochselektiven Effekt kann man mit Medikamenten momentan noch nicht erzielen. Deutlich wird das insbesondere, wenn man an die Wirkung von Opiaten und gängigen Inhalations-Anästhetika wie Halothan denkt.
Literatur-Auswahl und klinische Studien zu Schmerz und Hypnose