Wie finde ich den richtigen Therapeuten?
Die Frage: "Wie finde ich den richtigen Therapeuten?" ist eine der wichtigsten Fragen, die man sich vor einer psychotherapeutischen oder ärztlichen Behandlung stellen kann.
Folgende Qualitätskriterien werden in diesem Artikel besprochen:
- Fragen zur Qualifikation und Kompetenz
- Thematische Fragen
- Organisatorische Fragen
- Fragen zur Therapie
- Ihre Wahl
- Kennzeichen für gute Therapeuten
- Qualitäts-Merkmale für gute Psychotherapie und gute therapeutische Behandlung
- Ambulante oder stationäre Psychotherapie?
- Was können Sie selbst tun?
Viele Therapeuten bieten für ein erstes Kennenlernen Vorgespräche und Probesitzungen an. Hier finden Sie einige Fragen, die Sie Ihrer Therapeutin / Ihrem Therapeuten vor Beginn der therapeutischen Behandlung stellen können.
1. Fragen zur therapeutischen Qualifikation
"Seit wann führen Sie Ihre Praxis?"
"Haben Sie eine Heilkunde-Erlaubnis bzw. Krankenkassen-Zulassung?"
"Für welche Therapie-Formen und Behandlungs-Ansätze sind Sie ausgebildet?"
2. Thematische Fragen
"Was sind Ihre Arbeits-Schwerpunkte und Spezial-Gebiete?"
"Auf welche Ziel-Gruppen und Therapie-Formen sind Sie spezialisiert?"
"Welche Erfahrungen haben Sie mit Personen, die einen Veränderungs-Wunsch wie ich haben?"
"Welche Weiterbildungs-Kurse und Seminare haben Sie im vorigen Jahr besucht?"
"Was machen Sie sonst noch um sich weiterzubilden, und über aktuelle Forschungs-Ergebnisse informiert zu sein?"
3. Organisatorische Fragen
"Was berechnen Sie für die Behandlung?"
"Gibt es eine Praxisgebühr?"
"Werden die Behandlungskosten von der Krankenkasse übernommen?"
"Welchen zeitlichen Rahmen hat die Behandlung?" (Z. B. Dauer der einzelnen Sitzungen.)
"Wie oft und in welchem Rhythmus werden die Sitzungen stattfinden?"
"Welche Regelung trifft zu, wenn Sitzungen versäumt oder verschoben werden?"
4. Wie wird die Therapie inhaltlich gestaltet?
"Wie sieht die Behandlung genau aus?" (Einzelbehandlung, Gruppenbehandlung, ...)
"Was genau ist die Stärke, der von Ihnen angewendeten Therapie-Form(en) / Coaching-Methode(en) bei meinem speziellen Anliegen / Thema / Veränderungs-Wunsch?"
"Bis wann kann ein Behandlungsplan aufgestellt werden?"
"Wann kann mit der Behandlung begonnen werden?"
Viele Ratsuchende haben auch Fragen wie: "Wann wird sich eine erste Besserung / ein erster Fortschritt bemerkbar machen?" und "Wie viele Sitzungen planen Sie, um erste Ergebnisse zu erzielen?"
Diese Fragen sind sehr nachvollziehbar und verständlich: Jeder hat schliesslich den Wunsch so schnell wie möglich Hilfe zu erhalten und eine Verbesserung zu erleben.
Eine Auskunft wie lange oder wie kurz etwas voraussichtlich dauert, kann sinnvollerweise erst nach Vorgespräch, Befundabklärung und Anamnese getroffen werden. Unter optimalen Bedinungen können Ergebnisse sehr schnell erreicht werden. Manchmal ist es sinnvoller Zeiträume festzulegen, um die Effektivität der Behandlung zu prüfen und eventuell Anpassungen an Behandlungsstrategie und Therapieplan vorzunehmen. Symptome können oft relativ schnell beseitigt werden. Das Symptom ist jedoch von der Symptom-Ursache zu unterscheiden. Arbeit an den Ursachen ist oft ein wichtiges Thema einer an Nachhaltigkeit orientierten therapeutischen / psychotherapeutischen Behandlung. Ein Behandlungsplan im psychotherapeutischen Bereich kann erst dann als vollständig gelten, wenn auch Strategien zur Resilienz und Rückfall-Prophylaxe (Erfolgs-Sicherung) enthalten sind.
5. Ihre Wahl
Fragen Sie sich selbst:
Wie fühlen Sie sich nach dem Vorgespräch?
Fühlen Sie sich bei Ihrem Therapeuten / Ihrer Therapeutin gut aufgehoben?
Fühlen Sie sich in Ihrem Anliegen verstanden und angenommen?
Ist Ihr Therapeut / Ihre Therapeutin eine Person, die Sie mit Respekt behandelt?
Wollen Sie dieser Person Ihr Thema, Ihre Gefühle anvertrauen?
Kann der Therapeut ein klares Bild vermitteln von der Behandlung und wie sie Ihnen helfen kann?
Vertrauen Sie Ihrer inneren Stimme. Denken Sie: Diese Therapeutin / dieser Therapeut ist jemand, der Ihnen gut helfen kann?
6. Kennzeichen für gute Therapeuten
Gute Therapeuten:
- bilden und entwickeln sich weiter.
- verfügen über ein breites Spektrum therapeutischer Behandlungsmöglichkeiten.
- beurteilen und bewerten Kollegen und andere therapeutische Verfahren nicht.
- helfen dem Patienten die richtigen Worte zu finden (ohne jedoch Worte in den Mund zu legen).
- stellen das Wohl des Patienten ins Zentrum der Behandlung.
- machen keine Heilungsversprechen.
- stellen keine Diagnosen am Telefon.
- können aggressive Äusserungen und Provokationen konstruktiv "übersetzen".
- kennen die Grenzen Ihrer Therapie-Richtung.
- sind in Ihren Zusagen absolut verlässlich.
- garantieren Verschwiegenheit über alles, was während der Sitzungen besprochen wird. (In therapeutischen Sitzungen, für Psychotherapeuten, Heilpraktiker, Ärzte und Zahnärzte gilt Schweigepflicht.)
7. Qualitäts-Merkmale für gute Therapie
- "Gut" ist, was dem Klientennutzt.
- Eine gute Therapie führt zu klaren Verbesserungen im subjektiven und objektiven Befinden.
- Idealerweise werden die Verbesserungen möglichst schnell erzielt und sind nachhaltig.
- Die Intervention hat einen klaren zeitlichen Rahmen.
- Die Sitzungen haben eine sinnvolle inhaltliche Struktur und bieten unter anderem "Hilfe zur Selbsthilfe".
Manchmal taucht die Frage auf: "Soll ich meinen Therapeuten wechseln?" Bei Personen, die über die gesetzlichen Krankenkassen versichert sind, muss dies gut überlegt sein. In manchen Fällen zahlt die Krankenkasse einen Wechsel nicht. Manche Krankenkassen haben sogar Sperrfristen. Nur Selbstzahler können frei wählen: Am besten berät man sich mit dem Therapeuten, zu dem man wechseln will. Sprechen Sie mit ihm darüber, ob ein Wechsel sinnvoll ist und möglich wäre.
8. Ambulante oder stationäre Psychotherapie?
Es gibt zwei Grundarten wie Psychotherapie durchgeführt wird: Ambulant und stationär.
Ambulante Psychotherapie bedeutet:
- Gespräche und Interventionen finden in der Praxis (= Ambulanz) beim Therapeuten statt trotz psychischer und / oder körperlicher Symptomatik können Alltagstätigkeiten (und eventuell Beruf) weiter erledigt werden
Stationäre psychotherapeutische Behandlung wird erwogen, wenn:
- die Symptomatik zu körperlicher Beeinträchtigung führt
- der psychische Befund intensive, stationäre Behandlung notwendig macht
- ein erstes Therapie-Ziel möglichst schnell erreicht werden soll / muss
- soziale Entwicklung gefördert werden soll
- durch das soziale Umfeld und die Familie besondere Belastung vorliegt
- in Nähe des Wohnorts keine ambulante psychotherapeutische Behandlung verfügbar ist
Ob eine Therapie am besten ambulant oder stationär durchgeführt werden sollte, wird in den ersten Gesprächen mit dem Therapeuten geklärt.
9. Was können Sie selbst tun?
Bringen Sie sich selbst aktiv ein und gestalten Sie am Erfolg der Behandlung, Therapie und Beratung mit. Es gibt vieles, was Sie selbst tun können um die Lebensumstände vorteilhaft für sich zu gestalten. Hier eine kurze Auswahl an Anregungen:
- Selbstmitleid hilft nicht weiter. Es verzögert die Lösung. Nehmen Sie die Symptomatik, Krankheit, nehmen Sie Ihre besonderen Lebensumstände an. Das ist der erste Schritt weg vom Leiden und und hin zu einer Lösung.
- Pflegen Sie die Beziehung zu Ihrer Familie und zu Menschen, die Ihnen etwas bedeuten.
- Kapseln Sie sich nicht von Ihrer Umwelt ab. Natürlich ist es schwierig, sich mit einem gesundheitlichen Thema beschäftigen zu müssen. Resignation und Rückzug ist die ungünstigste Reaktion damit umzugehen.
- Informieren Sie sich gezielt über therapeutische, medizinische und pharmazeutische Fortschritte, die für Ihre Behandlung wichtig sind. Lesen Sie ein Buch über Ihr Thema.
- Reden Sie mit anderen Menschen: Finden Sie eine Selbsthilfegruppe, ein Internet-Forum, einen Patientenverein ... Nutzen Sie die Erfahrung von Personen, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen. Sie sind nicht alleine. Es gibt Hilfe, wenn Sie danach fragen.
- Vertrauen Sie Ihrem Behandler und vor allem: Haben Sie Vertrauen in sich selbst. Sie haben ein Recht darauf, dass Ihnen geholfen wird.
Wenn etwas fehlt oder Sie etwas ergänzen möchten: Schreiben Sie mir.
Redaktionelle Hinweise: Maria Berlucchi und Dagmar Thiel.
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