Depressionen und Hypnose

Klinische Studien zu Depression und Hypnose

In diesem Beitrag finden Sie eine kommentierte Literatur-Auswahl und klinische Studien zu Depressionen und Hypnose.

Depressionen und Gedächtnis

Stéphane Adam; Grazia Ceschi; Françoise Jermann; Martial van der Linden; Alain Perroud (2005): "Controlled and automatic uses of memory in depressed patients: Effect of retention interval lengths."; Behaviour Research and Therapy, May 2005, Volume 43, Issue 5; Page: 681 to 690.

Diese Studie ist grundlegend für die Therapieplanung von Depressionen mit Hypnose und CCP®. Die einzelnen Planungs-Phasen werden auch im CCPGG8 verwendet.

Ein für das CCP® sehr wichtiger Sonderfall ist die Studie von N. I. Eisenberger, M. R. Irwin, Mary-Frances O'Connor, M. D. Lieberman, A. L. Stanton, D. K. Wellisch (2008): "Craving love? Enduring grief activates brain's reward center." Neuroimage.

Hier wurde die Wirkung bestimmter Gedächtnisinhalte und ihren neuro-physiologischen Folgen untersucht. Die leider wenig bekannte Studie ist zentral zum Verständnis der Ressourcen-Aktivierung mit CCP®.

Depressionen und Wahrnehmung

Michael Bach, Emanuel Bubl, Dieter Ebert, Elena Kern, Ludger Tebartz van Elst (2010): "Seeing gray when feeling blue? Depression can be measured in the eye of the diseased"; Biological Psychiatry; Volume 68; Issue 2; published 15.07.2010; Pages: 205 to 208.

An der Untersuchung nahmen 80 Personen teil; 40 davon mit Major Depression (20 Personen erhielten antidepressive Medikation, 20 nicht). Die anderen 40 Teilnehmer waren gesund.

Mit einem Elektroretinogramm wurde die Reaktion der Netzhaut auf sich ändernde Schwarz-Weiss Kontraste gemessen. Die Ergebnisse zeigten deutlich, was auch schon vorher Forscher an der Universität Freiburg erkannt hatten. Nämlich, dass Menschen mit Depressionen die Realität anders wahrnehmen. Die Menschen mit Depressionen in beiden Gruppen (mit Medikation und ohne Medikation) hatten eine signifikant geringere Kontrastwahrnehmung als die gesunden Personen aus der Kontrollgruppe. Depressionen lassen die Welt hinter einem grauen Schleier versinken. Die neuen Erkenntnisse lassen vermuten wie tiefgreifend Depressionen auf die Realitäts-Einschätzung und Wahrnehmungs-Verarbeitung wirken. Gleichzeitig rückt die Studie Jahreszeiten-abhängige Depressionen, die Lichttherapie bei Depressionen und die phyto-pharmazeutische Behandlung mit Johanniskraut in ein neues Licht.

Despressions-Behandlung mit Hypnose und kognitiver Therapie

Assen Alladin, Michael Heap (1991): "Hypnosis and depression"; in: Windy Dryden, Michael Heap (1991): "Hypnotherapy: A handbook"; Open university press; Ballmoor, Buckingham, GB; Bristol, Philadelphia, USA; Page: 49 to 67.

Aaron Temkin Beck (1986): "Kognitive Therapie der Depression", Beltz Verlag; München, Weinheim.

Die sogenannte "Kognitive Therapie" bzw. "Kognitive Verhaltenstherapie" wird üblicherweise in 6 Schritten durchgeführt. Die Behandlung fokussiert hauptsächlich auf idiodynamische Kognitions-Strukturen, Generalisierungen und neuro-semantischen Realitäts-Abbildungen. Depressionen sind nach dem KBT-Modell eine Folge fehlgesteuerter Informations-Verarbeitung (dysfunktionaler Kognitionen). Dreh- und Angelpunktder kognitiven Therapie ist die empirische "Realitätsprüfung": Im sokratischen Dialog wird eine Normalisierung unbewusst ablaufender Automatismen angestrebt.

Die kognitive Therapie von Depressionen hat sehr gute Erfolgs-Quoten, insbesondere wenn sie mit Hypnose kombiniert wird. Zur Kombinations-Behandlung siehe: J. M. van Sky (1983), Dissertation, USIU, San Diego. Van Sky zeigt an insg. 4 Gruppen von je n = 15, dass sich die Effektstärken von d = .69 (bei Behandlung nur mit Kognitiver Therapie) auf d = .99 (bei Kognitiver Therapie in gleichzeitiger Kombination mit Hypnotherapie) erhöhte.

Eine gute Zusammenfassung über Hypnose und Kognitive Therapie von Depressionen stammt von Martin Hautzinger (1987): "Kognitive Therapie bei Depressionen"; in: "Hypnose und Kognition - Zeitschrift für die Grundlagen und klinische Anwendung von Hypnose und kognitiver Psychologie"; Nummer 4; Heft 2, Oktober 1987; München; Seite: 36 bis 46.

Selbstbild und Selbstbewusstsein

N. E. Lavertue, V. K. Kumar (2002): "The Effectiveness of a Hypnotic Ego-Strengthening Procedure for Improving Self-Esteem and Depression"; Australian Journal of Clinical and Experimental Hypnosis; Vol. 30, No.1, 2002; Page: 1 to 23.

Anthony B. Newey (1986): "Ego state therapy with depression"; in: Daniel L. Araoz, M. Gerald Edelstien, Bernie Zilbergeld: "Hypnosis: Questions and answers (Section V. Methods)"; W. W. Norton & Company; London, New York; 1. Edition; Page: 197 to 203.

Übergewicht und Depressionen

S. Arent, M. Friedman, Sarah M. Markowitz (2008): "Understanding the relation between obesity and depression: Causal mechanisms and implications for treatment."; Clinical Psychology: Science and Practice; Volume 15, Number 1, March 2008; Blackwell Publishing; Page 1 to 20.

Die Autoren fassen wichtige Literatur und Studien über die Beziehung von Übergewicht und Depression bis zum Jahr 2008 zusammen. Berücksichtigung finden vor allem behaviorale, kognitive, physiologische und soziale Mechanismen. Hilfreich ergänzt wird diese Studie durch den Beitrag von Foster und Napolitano, 2008.

Gary D. Foster, Melissa A. Napolitano (2008): "Depression and Obesity: Implications for Assessment, Treatment, and Research"; Clinical Psychology: Science and Practice; Volume 15, Number 1, March 2008; Blackwell Publishing; Page: 21 to 27.

Die Studie vom "Center for Obesity Research and Education" der Temple University ist ein ergänzender Kommentar zur Studie von Arent, Friedman und Markowitz, 2008. Diese Ergänzung umfasst vor allem die Bedeutung der Studie für die klinische Behandlung und weist auf künftige Forschungsfragen für evidenzbasierte Interventionen bei Übergewicht und Depression.
Während bei normaler Trauer Personen eher Gewicht abnehmen steigern manche Arten von Depressionen das Hungergefühl, bis hin zum Syndrom des "unstillbaren Hungers". Solche Personen essen bis zum anatomischen Maximum und sind trotzdem immer noch hungrig. Der unstillbare Hunger wird mitbedingt durch das "Hungerhormon" Ghrelin. Bei gesunden Personen ist die Ghrelin-Konzentration nachts am höchsten, bei Personen mit Ghrelin-bedingtem Übergewicht tagsüber.

Aartjan T. F. Beekman; Tamara B. Harris; Stephen B. Kritchevsky; Anne B. Newman; Brenda W. J. H. Penninx, Suzanne Satterfield; Eleanor M. Simonsick; Nicole Vogelzangs; Kristine Yaffe (2008): "Depressive Symptoms and Change in Abdominal Obesity in Older Persons"; Archives of General Psychiatry; Volume 65; Number 12; December 2008; Pages: 1386-1393; archpsyc.ama-assn.org/cgi/content/short/65/12/1386; Stand: 02.12.2008.

Unter Leitung von Nicole Vogelzangs wiesen Mediziner der Universität Amsterdam im Fachmagazin "Archives of General Psychiatry" darauf hin, dass bis zu 15 Prozent der untersuchten Senioren (Personen ab 70 Lebensjahren) an Depressionen litten.

Die Studie zeigt auf, dass Personen mit Depressionen häufiger unter Gewichtszunahme, Diabetes und Herz-Erkrankungen leiden; und dass sich der Zusammenhang zwischen Depressionen und Gewichtszunahme von der Gewichtszunahme bei Adipositas recht deutlich unterscheidet.

Gewichtszunahme bei Depressionen ist eher ein Sonderfall; manchmal eine Nebenwirkung von SSRI-Hemmern, die zur Medikation von Depressionen eingesetzt werden. Häufiger ist, dass einem bei Depressionen und Trauer der Appetit vergeht. In manchen Fällen jedoch entsteht ein extremes Hungergefühl; namentlich wenn die Nahrung dazu dient Emotionen auszugleichen oder unbewusst als verfügbare Quelle für "etwas Gutes" verstanden wird.

Alters-Depressionen unterscheiden sich von Depressionen in anderen Lebensphasen: Die Studie zeigte, dass Seniorenmit Depressionenzweimal so anfällig waren für Ablagerung von Visceral-Fett.

Als Visceral-Fett bezeichnen Ärzte die versteckten Fettpolster zwischendenOrganen. Besonders anfällig für diese Ablagerungen ist der Abdominal-Bereich.ImVolksmundwerden diese Visceral-Fett-Ablagerungen als "Rettungsring" bezeichnet.

Die Studie von Vongelzangs ist in mehrfacher Hinsicht merkenswert: Daten für diese Studie wurdenab 1997/98 insgesamt 5 Jahre lang gesammelt. 2088 Personen nahmen an der Untersuchung teil. Alle Studien-Teilnehmer/innen waren Senioren. 84 Teilnehmer waren am Beginn der Studie als depressiv diagnostiziert. ProPerson wurden 4 Follow-Up Messungen durchgeführt. Gemessen wurden: Visceral-Fett mit CT-Scans, Body Mass Index, Körperfettanteile, Hüftumfang, Abstand zwischen Rücken und höchstem Punkt des Bauchs.

Die 84 Personen, die zu Beginn der Studie depressiv waren, legten in den 5 Jahren des Untersuchungszeitraums durchschnittlich 9 Quadratzentimeter Visceral-Fett zu.
Ganz anders die Studien-Teilnehmer ohne Depressionen: Diese hatten im Durchschnitt 7 Quadratzentimeter Visceral-Fett abgenommen.

Dies "könnte den Unterschied bedeuten, ob man eine Herzkrankheit entwickelt oder nicht" sagte Nicole Vogelzangs vom VU University Medical Center in Amsterdam, Niederlande: "Weitere Studien müssen mehr Klarheit in den Zusammenhang von Depression, Körperfett und übergewichts-bedingten Erkrankungen bringen. Damit finden wir wichtige Informationen, wie wir die typischen körperlichen Probleme verhindern oder behandeln können, die eine Alters-Depression häufig nach sich zieht."

Der Zusammenhang zwischen Alters-Depressionen einerseits und BMI bzw. Körper-Fett-Anteil macht Sinn, konnte allerdings noch nicht in allen Details geklärt werden. Es wäre interessant zu wissen, inwieweit bereits in den Familien der betroffenen Personen Übergewicht oder Depressionen auftraten.

Nicht jede Art von Depression führt zu einer Gewichtszunahme. Die Autoren der Studie vermuten, dass für die Gewichtszunahme der untersuchten Senioren mit Depressionen ein Anstieg des Stresshormons Cortisol verantwortlich ist. Depressionen und chronischer Stress haben gemeinsam, dass sie sich auf die Aktivität in bestimmten Hirnregionen auswirken und unter anderem den Cortisol-Spiegel erhöhen. Cortisol ist bekannt dafür, dass es die Ansammlung von "Eingeweidefett" fördert. Für den Umgang mit chronischem Stress kommen vorrangig Hypnose und CCP® in Frage.

Mit dem Verschwinden der Depressionen verschwinden oft auch die körperlichen Symptome

Richard van Dyck, Corry G. Linssen, Philip Spinhoven, Frans G. Zitman (1991): "Autogenic training and future oriented hypnotic imagery in the treatment of tension hedache: Outcome and process"; The international journal of clinical and experimental hypnosis, (IJCEH); Official publication of the society for clinical and experimental hypnosis; The Winchell Company; Philadelphia - Pennsylvania; Volume XXXIX; January 1991; Number 1; Page: 6 to 23.

Hauptthema dieser Studie ist Migräne und Hypnose bzw. Spannungskopfschmerzen und Hypnose. Untersucht wurde die Wirkung von Hypnose auf die Menge der Schmerzmedikamente, Depressionen und Ängste.

Ian Forgacs (2007): "Psychological approach to managing irritable bowel syndrome"; British Medical Journal; 26. May 2007, Number 334; Page: 1105 to 1109.

Dr. Forgacs wies darauf hin, dass manche Formen von Reizdarm-Syndrom mit Antidepressiva und Hypnose behandelt werden können. Einen entfernt ähnlichen Bericht liefert Hans-Christian Kossak (1991 b): "Fallbeschreibungen - Brechdurchfälle, Depressionen und Examensprobleme"; in: Christoph Kraiker, Burkhard Peter, Dirk Revenstorf (1991): "Hypnose und Verhaltenstherapie"; Verlag Hans Huber, Bern, Stuttgart, Toronto; 1. Auflage; Seite: 81 bis 92.

Melinda J. Yexley (2007): "Treating postpartum depression with hypnosis: Addressing specific symptoms presented by the client."; The american journal of clinical hypnosis, (AJCH); Official publication of "The american society of clinical hypnosis"; The american society of clinical hypnosis; Phoenix, Arizona; January 2007; Page: 219 to 213.

Hypnose und Depressionen

Michael D. Yapko (1992): "Using hypnosis in treating depression"; 4 Audio tapes; Brunner and Mazel; New York.

Michael Yapko ist ein Pionier in der Behandlung von Depressionen mit Hypnose. In seinen neueren Arbeiten (ab 2000) zeichnet sich ab, wie er sich neben der blossen Depressions-Behandlung mehr und mehr auf die Frage fokussiert, was Personen unter "sich gut fühlen" verstehen und was sie brauchen um dieses "sich gut fühlen" tatsächlich erleben zu können. Mit anderen Worten: Jemandem der depressiv ist, wird nicht dadurch geholfen, dass man ihn drei mal die Woche an die Auslöser der Depressionen erinnert.

Das Buch von Yapko ist auch in deutscher Sprache erschienen, beinhalten jedoch nicht die 8 Hypnose-Sitzungen der Audio-Aufnahmen von den Klienten-Sitzungen: Michael D. Yapko (1995): "Depression und Hypnose - Strategien der Veränderung von depressiven Lebensmustern"; (Original-Titel: "Hypnosis and the treatment of depression"); Verlag J. Pfeiffer; München.